Die Portugiesische Gesellschaft für Diabetologie (SPD) hat die Entscheidung von Infarmed, die Verordnung von Sensoren zur kontinuierlichen Glukosemessung als Generika zuzulassen, als einen „beispiellosen klinischen Rückschritt“ bezeichnet. In einer heute veröffentlichten Erklärung warnte die Gesellschaft, dass diese Maßnahme die Sicherheit und Lebensqualität von Tausenden Menschen mit Diabetes in Portugal gefährden könnte. Der Streit geht auf ein im April herausgegebenes Rundschreiben zurück, in dem Infarmed mitteilte, dass sich das Verschreibungsmodell für diese Medizinprodukte ändern solle und generische Modelle etablierte Handelsmarken ersetzen könnten. Infarmed verteidigte den Schritt mit dem Argument, Generika könnten den Zugang zu Gesundheitstechnologien verbessern und die breitere Verfügbarkeit von Blutzuckermesssensoren biete eine praktische Alternative zu herkömmlichen Überwachungsmethoden. Die SPD entgegnete, diese Systeme seien nicht wie Arzneimittel austauschbar, da jeder Sensor über eigene klinische Merkmale verfüge, etwa in Bezug auf Genauigkeit, Lese- und Interpretationsalgorithmen, Kalibrierungsbedarf, Kompatibilität mit Insulinpumpen und digitalen Gesundheitsplattformen sowie konfigurierbare Alarme. Außerdem erklärte sie, die Wahl des Sensors müsse den Gesundheitszustand der Patientinnen und Patienten, ihren Alltag, ihre Gesundheitskompetenz und ihre Fähigkeit zur Nutzung von Technologie berücksichtigen, und argumentierte, dass Spanien, Frankreich, Deutschland und Italien keine undifferenzierten Verschreibungsmodelle eingeführt hätten. Die Ärztekammer (OM) forderte Infarmed heute ebenfalls auf, die Entscheidung zurückzunehmen, da sie eine „reale Gefahr“ für die Patientensicherheit darstelle und nicht dadurch gerechtfertigt werden könne, komplexe Medizinprodukte zu behandeln, als wären sie generische Arzneimittel.
